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Schubumkehr
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Energie geht nicht verloren, sie transformiert sich nur, so die Grundaussage des Energieerhaltungssatzes. Gegen Chelsea war sie deutlich als Euphorie spürbar, sie hat dem Gedanken an eine – endlich wieder – Meisterschaft Auftrieb verliehen. Sie hat Ried mit einer Packung wieder nach Hause gepeitscht. Ab dann begann sie sich zu wandeln: zum Höhenflug gesellte sich ein kleines Ziehen in der Magengegend. Der Verdacht, dass da etwas nicht stimmen könnte, wurde zu meinem Dauergast. Sinkflug eingeleitet: Derby-Niederlage, gerade-noch-Sieg gegen Genk, gerade-noch-Unentschieden in Sassuolo, WAC-Todesstoß, Bullenklatsche, Verletzungspech.

Apropos: dass die zweiten Bälle zumeist beim Gegner landen, ist nicht nur Pech. Einmal ja, zweimal auch, aber irgendwann hat das handfeste Ursachen. Dass wir gerne in Konter laufen, die Kugel nicht und nicht über die Line drücken können, dass innerhalb weniger Tage zwei Rote Karten auf dem Kader lasten, eine Verletzung die nächste jagt, auch daran trägt kein Pech die Schuld. Vielmehr ist es Ausdruck dessen, was selbst mit zwei zugedrückten Augen nicht mehr übersehen werden kann: das Mannschaftsgefüge ist dysfunktional.

Ich schau ganz tief in die Glaskugel und behaupte, Canadi hat genau das nach der Landung in Wien auch erkannt. Was sich im Herbst zum Gordischen Knoten ausgewachsen hat, dem kommt man nicht mit Kosmetik bei. Sondern nur wie Alexander der Große es vorgemacht hat: mit brachialer Gewalt. Symbolisch natürlich. Also alles Emotionsgeflecht auflösen, rotieren, sichten und neu zusammensetzen. Und nebenbei auch noch ein neues Spielsystem etablieren, weg von den „Gurkenpässen“. Während Englischer Wochen steht dafür kaum Trainingszeit zur Verfügung. Logische Konsequenz aus Canadis Sicht: Spieltage sind Trainingstage. Um im Bild zu bleiben: Reparatur der Triebwerke während des Sinkfluges. Aktueller Zwischenstand: Tabellenplatz 7. Oh weh.

Aus dem Ziehen in der Magengegend hat sich eine richtige Übelkeit entwickelt. Es braucht mehr als ein kleines Erfolgserlebnis für den Sprung auf die Schiene. Die Winterpause wird dem Treiben gut tun. Wenn ich mir Körpersprache und Kraftaufwand der Spieler ansehe, dann wird das ein Zieleinlauf auf Reserve.

Welche Energie auch immer es war, die die Mannschaft so zugrunde gerichtet hat: es ist an der Zeit die bösen Geister zu vertreiben und Neues aufzubauen. Worauf ich meine Hoffnung für diese Schubumkehr baue? Ich sag einmal so: ich hoffe für den Mentaltrainer, dass er eine Stornoversicherung für seinen Weihnachtsurlaub abgeschlossen hat.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion von Forza Rapid.

Meinung

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